Judo und Pädagogik

Judo ist nicht nur ein Techniksystem sondern Erziehung nach dem Judo philosophischen Hintergrund:

" Grundsatz des bestmöglichen Gebrauchs von Geist und Körper "

und der

" Grundsatz des gegenseitigen Helfens zum beiderseitigen Wohlergehen" .

Judo ist ein Weg zum rücksichtsvollen Umgang mit sich und anderen.
 
 

So lernt man, seine Kräfte zu dosieren. Ganz wichtig erscheint dies in einer Zeit in der bei Kindern eine " Vergröberung der Sinneswahrnehmung " zu erkennen ist. Wenn die Sinne abstumpfen, steigt auch die Bereitschaft zur Gewalt. Hier bietet sich gerade beim Judo eine Möglichkeit, etwas entgegenzusetzen, gewaltpräventiv zu wirken.
Ein Erfahrungsweg nicht nur für selbstbewusste, selbstsichere, motorisch begabte, physisch und psychisch robuste Kinder sondern auch für die Ungeschickten, Gehemmten, Ängstlichen und Unsportlichen die Hilfe am nötigsten brauchen.
In der direkten körperlichen und fairen Auseinandersetzung werden Erfahrungen vermittelt, die anderswo nur schwer gemacht werden können.

Treiben Sie Judo !

Treiben Sie vor allen Dingen Sport.

Der KJC bietet Ihnen eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten.

Sollten Sie sich für Judo entscheiden, dann kommen Sie zu uns.

Wir freuen uns auf Sie und/oder auf Ihre Kinder.

Wir freuen uns auf Euch !

Judo - Werte

Das Interview

Gutes Judotraining bildet Kinder nicht nur sportlich sondern auch menschlich

Annika Golz im Gespräch mit Christa Hoffmann

Christa Hoffmann, die Trainerin des KJC Ravensburg ist eine Trainerin von besonderer Art. Sie trägt den 5. Dan, das ist der höchste schwarze Gürtel den man mit einer Prüfung erreichen kann.
Sie ist langjährige Judo- und Fördergruppentrainerin der ARGE in Baden Württemberg und wurde mit der goldenen Ehrennadel wegen ihres vorbildlichen Unterrichts und Engagement vom WLSB ausgezeichnet.
Sie war die erste Trainerin von Uta Kühnen, die bei Olympia in Sydney in der Gewichtsklasse bis 78 kg startete und knapp die Bronzemedaille verlor.
Annika Golz hat mit Christa Hoffmann folgendes Gespräch geführt:

A.G.: Liebe Frau Hoffmann, Sie sind eine leidenschaftliche Judotrainerin. Warum unterrichten Sie gerade Judo?

C.H.: "Judo hat mich als Kind schon fasziniert. Mein erster Trainer, Monsieur Petri aus Frankreich, war für mich ein großes Vorbild. Er unterrichtete nach den zwei Prinzipien wie sie Professor Kano der Gründer des Judo Sportes formulierte:

Das technische Prinzip:

Siegen durch Nachgeben.
Wer dieses Prinzip beherrscht, kann mit geringem Kraftaufwand einen stärkeren Angreifer besiegen. Das hat mich sehr beeindruckt.

Das moralische Prinzip:

Gegenseitiges Helfen und Verstehen.
Beim Judo wird nicht gegeneinander, sondern miteinander trainiert. Zwangsläufig werden soziale Eigenschaften wie Kooperationsfähigkeit, Mitverantwortlichkeit, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft ausgebildet.

Es waren sehr wertvolle Erfahrungen, die meine Kindheit und Jugend geprägt haben und die ich heute, nachdem ich selbst Trainerin bin, an meine Schüler verantwortungsvoll weitergebe."

"Siegen durch Nachgeben, nicht gegeneinander sondern miteinander trainieren!"

A.G.: Was unterscheidet Judo von den anderen Kampfsportarten?

C.H.: "Jetzt muß ich wieder auf die zwei Prinzipien zurück kommen. Wenn Judo nicht nur zum Leistungssport degradiert wird, sondern in der Tradition des Judosportes die wichtigen Grundgedanken tragende Säulen bei der Ausbildung sind, ist der Judosport ein Erziehungssystem par exellence.
Höflichkeit, Bescheidenheit, Aufrichtigkeit, Respekt, Mut, Selbstkontrolle und Freundschaft können durch den Judosport vermittelt werden."

"Nicht schlagen, treten und zerstören, den Partner besiegen aber erhalten."

A.G.: Was ist für Sie persönlich das Wichtigste das Sie Ihren Judokas beibringen wollen?

C.H.: "Bei den Anfängern in der Grundausbildung ist es hauptsächlich das moralische Prinzip, das beim Erlernen der Techniken beispielhaft erlernt werden kann. Beim Fortgeschrittenen setze ich das nötige Verantwortungsbewusstsein voraus, um anspruchsvolle und schwierige Techniken ausführen zu können. Das Ziel ist aus dem Fortgeschrittenen einen mündigen Athleten zu machen mit Eigenverantwortlichkeit in Hinblick auf das spätere Leben. Leistung und Humanität, Sieg und Moral, Erfolg und persönliches Glück sind nicht nur miteinander vereinbar, sondern sind auch gegenseitig bedingend.
Ich bemühe mich, den Trainierenden alle wichtigen Informationen zur Entwicklung und Optimierung ihrer Leistungen weiter zu geben. Das Interesse meiner Athleten, ihre Gesundheit und ihr Glück stehen über jeglicher Erfolgsziele. Es gibt sicher Trainer, die es anders machen und schneller erfolgreich sind."

"Die Würde des Menschen hat im Training und Wettkampf immer Vorrang."

A.G.: Was denken Sie, ist an Ihnen so einmalig, dass alle Menschen Sie mögen?

C.H.: "Jeder Mensch ist einmalig und mögen tun mich bestimmt nicht alle. Manche Menschen bringt meine Gelassenheit und Ruhe auf die Palme. Sie merken erst später, dass sie im Unrecht waren. Wie in der Politik und im Beruf, so auch im Sport sind es immer die Frauen, die das Mehrfache leisten müssen um den selben Status wie männliche Kollegen zu erhalten. Was meine Schüler betrifft, werde ich ihnen immer auf der Matte und im sonstigen Leben mit Freundschaft begegnen. Unabhängig von ihrer Hautfarbe, sozialer Herkunft, Religion, politischer und sonstiger Überzeugung werde ich sie gleich und fair behandeln, ihnen also mit Liebe begegnen. Liebe erzeugt Liebe."

A.G.: Stichwort Japan - das Herkunftsland des Judosportes. Wird dort anders trainiert ?

C.H.: "Ja und Nein. Die Mentalität ist anders wie die eines Europäers. Ein Japaner weiss, dass es leichter ist, tausend Dinge halb zu tun, als auf einem Gebiet Meister zu werden. Er trainiert eine Technik so lange und unermüdlich, bis sie perfekt ist. Mit geistigem Willen macht er etwas Unmögliches möglich. Dem westlichen Judoka fehlt dazu die Geduld. Es muss immer etwas Neues geboten sein, sonst ist es für ihn langweilig.
Ein Trainingsanreiz sind bei uns die Gürtelfarben. In Japan gibt es keine farbigen Gürtel. Ein japanischer Judoka trägt so lange den weißen Gürtel, bis er auf dem Stand eines Braungürtels ist und diesen von den Meistern anerkannt bekommt. Japaner verstehen es, exzellente Techniken im Wettkampf zu präsentieren. Einige Zeit herrschte das Kraft-Judo des Ostblocks vor, das meiner Meinung nach den Judosport in den Medien unattraktiv machte. Heute sind wir wieder auf dem besseren Weg."

A.G.: Bei der Olympiade in Sydney hat eine ehemalige Schülerin von Ihnen teilgenommen. Waren Sie enttäuscht, dass Uta Kühnen keine Medaille nach Hause gebracht hat?

C.H.: "Nein.
Sie wollte eine Medaille und sie war auch eine Medaillenhoffnung für den deutschen Judo Bund. Ich drückte ihr von ganzem Herzen die Daumen, dass ihr steter Trainingsfleiß mit Olympischer Medaille gekrönt wird. Es sollte nicht sein. Vielleicht in vier Jahren in Athen. Wer weiß? Jetzt muss sie erst einmal ihr Studium beenden, das sie durch die Olympiavorbereitung in die Länge gezogen hat. Für mich war es ein wunderbares Gefühl, dass der Geist des Judo in einem meiner Schüler zum höchsten Wettkampferlebnis - der Olympiade geführt hat."

A.G.: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

                                                                     Annika Golz



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© Christa  Hoffmann